Dritte Mannschaft erreicht Remis gegen KS Emden
In einem Heimspiel waren wir gegen die Gäste aus der größten Stadt Ostfrieslands nominell an den ersten vier Brettern, teils sehr klar, unterlegen, nur an den hinteren vier Brettern in etwa auf Augenhöhe. Folgerichtig gab es dann auch nur einen Punkt für uns aus den ersten vier Brettern, jedoch deren drei aus der unteren Hälfte, so dass es insgesamt für ein 4-4 reichte.

(Nein, das ist kein verspätetes Foto von der Weihnachtsfeier...)
Details findest Du im folgenden Bericht.
Brett 1:
Michael musste gegen den 370 Punkte höher gewerteten georgischen, bzw. Emdener, Spitzenspieler, Ostfrieslandmeister im Schnellschach und Dähnepokalsieger, antreten, den man nicht mit seinem namensgleichen und wesentlich älteren georgischen Landsmann und GM verwechseln darf. Es kam auch nur zur einer Kurzpartie, aber nicht durch Kampf, sondern weil Michael bereits im Zug 14 ganz einfach eine Figur einstellte. (Erinnerte mich an meine 15-zügige Schnellpleite in der Runde zuvor in Oldenburg…lach…passiert jedem mal…)
0 – 1
Brett 7:
Wenn ich das richtig erinnere, so spielte Haralds Gegner mit Weiß sein ureigenes Eröffnungssystem (Doppelfianchetto). Hier kannte er sich natürlich perfekt aus, und so wurde das Gleichgewicht niemals ernsthaft gestört und das Läuferendspiel mit symmetrischer Bauernstellung war im Zug 23 nun wirklich töter als nur totremis.
½ - 1 ½

Brett 4:
Alwin war die gesamte Partie über besser, teilweise sogar mit klarem Vorteil, vielleicht sogar mit „Quasi-Gewinnstellung“, als er an einer Stelle ungenau wurde und die Partie zu totalem Ausgleich degenerierte, um dann die Partie im Zug 34 auch gleich noch einzügig komplett einzustellen. Alwin mag es mir verzeihen (irgendwann ist jeder mal dran…ich auch…lach…), aber das Ende war hübsch und verdient Diagramme:

34.La3??
Nach [ 34.f3= ] oder [ 34.Da3= ] wäre es totaler Ausgleich gewesen.
34...Dc8!

Jetzt wäre es auch nach dem besseren [ 35.f3 Lh3+ 36.Kf2 Th1! -+ ] vorbei gewesen, doch Alwin zog das schnelle Ende vor:
35.h4?? Lh3+! 36.Kh2 Lf1!

Und gegen das Matt, eingeleitet mit 37... Dh3-+, gibt es nichts mehr.
½ - 2 ½
Brett 8:
Durch ein Pseudo-Läuferopfer gewann Sven einen Bauern und zerstörte gleichzeitig die gegnerische Bauernstruktur im Zentrum mit Gewinnstellung, um es im Anschluss, ähnlich wie Alwin, zu nur noch einfachem Vorteil wieder zu verspielen. An der entscheidenden Stelle hätte sein Gegner in ein, nach Computer, Totremis-Turmendspiel überleiten können, ließ hingegen den Generalabtausch zu, und das reine Bauernendspiel war dann natürlich eine leichte Beute, jedenfalls für einen Sven.
1 ½ - 2 ½
Brett 6:
Anstatt sich fertig zu entwickeln und insbesondere seinen König in Sicherheit zu bringen, ging Niklas‘ Gegner früh auf Bauernraub aus, was ihm einen Zentrumskönig und Niklas eine schnelle Gewinnstellung bescherte. In bereits verlorener Stellung kam dann auch – klassisch – der Patzer hinzu, was zu einer hübschen Schlussstellung führte

27...Sb4?? 27.Sxb4!

So einfach ist Schach, denn nach
[ 27...axb4 28.Dxd6+ Ke8 (Kg8 ist Matt, und nach Le7 fxe7+ gibt es einen wilden Angriff)
29.Lc6++- und die schwarze Dame verabschiedet sich.]
2 ½ - 2 ½

Brett 5:
Bei selbst noch unrochierten König warf Jörgs Gegner alles, was er hatte, gegen die schwarze Rochadestellung. Doch diesmal war das gut, denn die beeindruckende vierfache Bauernphalanx auf der 4. Reihe gegen Jörgs bangen 0-0-König ergab eine sehr klare weiße Gewinnstellung. Jörg musste dann auch noch eine Qualität geben und es war schlicht eine Vollpleite. Weiß hatte zwei Bauern ins Geschäft gesteckt, wohl gemerkt mit klarer Gewinnstellung, als er, anstatt konsequent weiter anzugreifen, Vereinfachung durch Figurenabtausch zuließ, wonach es sofort komplett verflachte. Jörg sammelte dann noch einen weiteren Bauern ein, hatte jetzt vier gegen nur noch einen einsamen weißen Bub‘, was, nach Computer-Einschätzung, in dem T-versus-L-Endspiel immer noch Ausgleich war. Aber jetzt war es Weiß, der genau spielen musste, und so hätte Jörg urplötzlich totale Gewinnstellung gehabt, wenn er denn nur nach seinem Zug g4 sofort den nächsten Schritt mit g3 hätte folgen lassen. Leider versäumte er jedoch diese einmalige Gelegenheit und so endete es Zug 55 mit Zugwiederholung.

Das ist Doppelnull-Stockfish-Totenetanz nach [ 43.a4= ], oder [ 43.Txa6= ], oder [ 43.Tc6= ] und noch ein paar Züge.
43.Kc3??
Nahe liegend - wer spielt das nicht? Doch der Computer ist unerbittlich, denn das verliert:
43...g4!-+
Jörg hat Gewinnstellung mit Mondbewertungen durch die Maschine.
44.Kd2 Lc4? 45.Tc6!=
Jetzt haben wir wieder die Doppelnull. Es gewinnt der konsequente Vormarsch:
[ 44...g3!! 45.Ke2 g2! 46.Kf2 Ld5-+

Variante
Kombinierter Königsvormarsch nebst c4 gewinnt hier klar, zum Beispiel:
47.Txa6 Ke5 (oder auch sofort 47...c4-+ ) 48.Tb6 c4! 49.Txb5 c3 50.Tb1 Kd4-+ u.s.w.]
Eine spannende und ereignisreiche Achterbahnfahrt!
3 - 3

Brett 2:
Wie sich die Bilder gleichen, denn auch Thorsten war die ganze Zeit in, teils klaren, Vorteil, als er durch den berühmt berüchtigten Zwischenzug einen Bauern verlor. Allerdings stand er gut bzw. solide genug, so dass er in dem TS- versus TL-Endspiel Kompensation hatte, als er einer Verführung zum Opfer fiel:

Eine fiese Stellung, denn der Tf5 ist eingeklemmt und kann man das nicht irgendwie ausnutzen?
39.g4? [ 39.Te2= ]
Wer dieser Verführung widerstehen kann, der werfe den ersten Schachklotz!
39...hxg4 40.fxg4

Mit Qualitätsgewinn, jedoch:
40...Txe5+ 41.dxe5+ Kxe5-+

Das ist für Schwarz gewonnen!
Dem Bauernvormarsch konnte er nicht mehr Herr werden, so dass es im Zug 54 sogar mit 5 schwarzen Bauern gegen nur noch einen weißen Einzelkämpfer endete.
4 – 3
Die Entscheidung stand also auf des Messers Schneide, als ich (=H.-J. Schrader) noch dabei war, die Seeschlange des Tages zu produzieren.

Brett 3:
Auch ich war immer im Vorteil und hätte mir, sagt mir Besserwisser Stockfish, mehrfach eine Gewinnstellung verschaffen können, wenn ich denn nur irgendwann das weiße Zentrum mit f6 angeknabbert hätte. So kam es zu folgender Stellung, in der ich eine Taktik witterte. Nicht, dass ich die Konsequenzen des folgenden Opfers bis zum Ende durchgerechnet hätte, es war mir auch nicht 100% klar, ob es korrekt war, doch dann erinnerte ich mich an die Schachlegende Mikhail Tal: „Erst opfern, dann rechnen!“

24...Sxe5!! 25.dxe5 Dxc5 26.Kb2 d4!!

27.Dxd4 Le4+? Zielt auf den Tb1, doch das ist schlecht.
[ 27...Ld5+! 28.Sb5

Variante
Natürlich hatte ich diese Variante gerechnet, aber ich wollte die Damen nicht tauschen.
28...De7! -+ ]
Denn der Sb5 läuft nicht weg....(oh Mann....)
Weiß kam jetzt sogar in Vorteil, wenn auch nicht entscheidend, denn ich stellte im weiteren Verlauf immer wieder kleine taktische Drohungen gegen die luftige weiße Stellung auf, natürlich in der Hoffnung auf einen Patzer, der dann auch nach einer Weile prompt passierte:

45.Dd4?? [ 45.La6= ]
45...Txc5!!

46.Dxd5 [ 46.Dxc5?? Lf8-+ ] 46...Txd5-+
Jetzt war es schwarzer Gewinn, jedoch musste man noch genau weiterspielen, denn z. B den Bauern auf e5 darf man nicht anrühren, da nach Abtausch der Turm allein es gegen den weißen a-Bauern schwer gehabt hätte, denn auch der schwarze König ist zu weit weg – es hätte vermutlich mit Remis geendet. Das Endspiel hielt noch weitere etliche, jedenfalls für mich, schwierige Hürden parat, doch ich überwand sie alle, zeigte eine genaue Technik und gab die Gewinnstellung nie mehr wieder her. Mein Gegner spielte die Partie noch runter bis er nur noch einen Bauern gegen meine Dame hatte, als er sich dann im Zug 80 zur Aufgabe entschloss.
4 – 4
Ein knappes, vielleicht etwas überraschendes, aber auch verdientes Ergebnis. Am 08.02. kommt es dann zu dem Klassiker gegen die Schachfreunde des SV Hellern. In dieser gegen Emden gezeigten Form sollten wir das wuppen!
Gewuppte Grüße
Jochen, 19.01.2026